Tagungsreihe Führung

Tagung diskutierte zu indirekter Steuerung

19.06.2017 | "Fü(h)r mich neu! Betriebliche Führungsstrategien im Wandel" lautete der Titel der diesjährigen Veranstaltung zu Führungsverhalten in Unternehmen. Knapp 90 Personen nahmen an der Tagung im Leibnizhaus Hannover teil, zu der die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften mit ihrem "Netzwerk demografische Entwicklung und betriebliche Antworten", die Bildungsvereinigung Arbeit und Leben und die Demografieagentur der niedersächsischen Wirtschaft eingeladen hatten.

Im Eingangsreferat von Stephan Siemens von der Initiative "Meine Zeit ist mein Leben" stellte dieser sehr strukturiert und anschaulich das Konzept der indirekten Steuerung dar. Demnach habe sich das Führungsverhalten in Betrieben und der öffentlichen Verwaltung mehr und mehr gewandelt. Statt direkter Vorgaben würden für die Beschäftigten Situationen geschaffen, in denen sie teilweise höhere Freiheitsgrade erleben, aber nun anderen Zwängen wie Zielvorgaben oder Konkurrenzen verschiedener Unternehmensteile unterliegen – und somit im Sinne des Unternehmens produktiver arbeiten. Die neue Führungsform habe jedoch negative Effekte, wie eine deutlich höhere psychische Belastung und eine daraus resultierende höhere Gefahr für Burnout und Depressionserkrankungen. Für den kurzfristig erkrankten Professor Dr. Oliver Bierhoff (Fachhochschule Bielefeld) übernahm Siemens spontan auch den zweiten Vortrag. Er warnte davor, dass sich Führungskräfte in ihrer Sandwichposition zwischen Belegschaft und Geschäftsführung innerlich aufrieben. Durch indirekte Steuerung sei die Gefahr dafür weiter gestiegen.

Friederike Husheer von der Demografieagentur für die niedersächsische Wirtschaft erläuterte das Audit "Zukunftsfähige Unternehmenskultur" der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). Im Rahmen eines professionell begleiteten Prozesses werden dabei betriebsspezifische Aktivitäten zur Verbesserung des Arbeitsumfelds durchgeführt, die gemeinsam mit der Belegschaft erarbeitet werden. Das Audit bietet Unterstützung in den vier personalpolitischen Handlungsfeldern Personalführung, Chancengleichheit & Diversity, Gesundheit und Wissen & Kompetenz an. Stimmen aus auditierten Betrieben unterschiedlicher Branchen und Größen gaben den Teilnehmenden einen Einblick in den konkreten Nutzen des Prozesses. Die Demografieagentur ist bundesweite Trägerin dieses vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten INQA-Projekts.

Nach der Mittagspause fanden die drei Arbeitsgruppen der Tagung statt. Anette Heberlein, Leiterin der Personalentwicklung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), stellte das Projekt "Gemeinsam in Führung gehen" als Good Practice-Beispiel für ein Führungsprogramm vor. Jutta Ulrich, Vorsitzende des Personalrates der MHH, unterzog diesem eine Kritik aus Sicht der Beschäftigten.
Für Professor Dr. Bierhoff übernahmen Darijusch Wirth (Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften Hannover-Hildesheim) und Husheer die Gestaltung der zweiten Arbeitsgruppe. Auf der Basis eines Textes zur Situation von Führungskräften der mittleren Ebene wurde diskutiert, wie den Belastungen der Personengruppe entgegengewirkt werden kann.
In der dritten Arbeitsgruppe war neben Siemens auch Martina Frenzel (ebenfalls Initiative „Meine Zeit ist mein Leben“) als Referentin aktiv. Die Auswirkungen der indirekten Steuerung für Beschäftigte und die betriebliche Interessenvertretung waren die zentralen Themen dieses Workshops.

Die Organisatorinnen setzten so ihre gemeinsame Tagungsreihe zu diesem Thema fort und waren mit der Veranstaltung sehr zufrieden. "Die hohe Resonanz zeigt uns, dass wir mit dem Thema und der inhaltlichen Ausrichtung der Arbeitsgruppen direkt an die Realität in den Betrieben anknüpfen", schloss Wirth stellvertretend für das Organisationsteam.

...

Reichtumsuhr

Die Vermögensverteilung in Deutschland
Vermögen in Deutschland sind extrem ungleich verteilt. Die Nettoprivatvermögen wachsen zudem um 328 Milliarden Euro im Jahr. Allein das reichste 1% der Bevölkerung darf einen Vermögenszuwachs von 117 Milliarden Euro im Jahr einstreichen. Auf der anderen Seite steht ein Zuwachs der öffentlichen Verschuldung von 5,4 Milliarden Euro jährlich. Die Reichtums- und Schuldenuhr der ver.di-Bundesverwaltung schreibt diesen Trend fort.
Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen der Reichtums- und Schuldenuhr (PDF, 167 kb)

Pinnwand

  • Kooperationsstellen Niedersachsen und Bremen
  • Bundesarbeitsgemeinschaft der Kooperationsstellen
  • Gegenblende
  • Nachdenkseiten
  • TIB-UB_der_LUH
    Die Sondersammlung zur Gewerkschaftsbewegung mit einem Bestand von etwa 10.000 Bänden umfasst sozialwissenschaftliche Literatur und Gewerkschaftsmaterialien zur Organisationsgeschichte und -politik. Sie wird in Kooperation mit den sozialwissenschaftlichen Instituten der Leibniz Universität Hannover und dem Deutschen Gewerkschaftsbund aufgebaut.

  • Einstellung zur Arbeit
    In 15 Städten weltweit wurden im Rahmen des Projektes Videos mit einer Länge von 1-2 Minuten erstellt. Vorgabe: Die Aufnahmen sollten in einer einzigen Einstellung ohne Schnitte produziert werden. Entstanden sind beeindruckende Kurzportraits zum Thema Arbeit.

  • Logo Niedersachsen packt an