16.03.2026 | 90 Teilnehmende, starke Impulse und viel Austausch: psychische Gesundheit in der Arbeitswelt immer wichtiger
Am 13. März 2026 kamen rund 90 Teilnehmende im Haus der Region Hannover zusammen, um über die Zusammenhänge von Arbeit und psychischer Gesundheit zu diskutieren. Die Veranstaltung „Gute Arbeit ist die beste Medizin“ wird seit mittlerweile 18 Jahren durchgeführt und stößt weiterhin auf großes Interesse – das Thema wird immer wichtiger.
Zum Auftakt begrüßte Catrin Lagerbauer die Teilnehmenden im Namen der Region Hannover. Sie dankte dem Organisationsteam, dem Empfangsteam von Arbeit und Leben, dem Catering von Pro Beruf sowie den Kolleg*innen im Haus der Region. Gleichzeitig betonte sie die anhaltende Relevanz des Themas: Gute Arbeitsbedingungen und psychische Gesundheit bleiben zentrale Herausforderungen der Arbeitswelt.
Traditionell eröffnet ein Vortrag zum Thema Depression die Veranstaltung. Lukas Kirsch vom Sozialpsychiatrischen Dienst der Region Hannover gab einen Überblick über Ursachen, Symptome und aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung. Trotz zunehmender Enttabuisierung psychischer Erkrankungen suchen noch immer etwa die Hälfte der Betroffenen keine Hilfe. Gerade deshalb seien Informations- und Austauschformate wie diese Veranstaltung wichtig. Als hilfreiche Informationsquelle verwies er unter anderem auf das Portal www.wege-zur-psychotherapie.org.
Prof. Dr. Axel Kobelt-Pönicke von der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover nahm anschließend die Rolle von Arbeit für die seelische Gesundheit in den Blick. Arbeit könne sowohl Belastung als auch wichtige Ressource sein – etwa für Selbstwirksamkeit und soziale Einbindung. Gleichzeitig prägen Beschleunigung, wachsende Komplexität und Reizüberflutung zunehmend die Arbeitswelt. Anhand eines konkreten Fallbeispiels zeigte er, wie Überforderung in Arbeitsangst münden kann und wie wichtig eine frühzeitige Behandlung psychischer Erkrankungen ist.
Mit der Frage nach gesunder Führung beschäftigte sich Prof. Dr. Michael Bienert von der Hochschule Hannover. Unter dem Titel „Die Treppe von oben kehren“ stellte er heraus, welche zentrale Rolle Führungskräfte für die Gesundheit von Beschäftigten spielen. Ungerechtigkeitserfahrungen und schlechte Führung zählen zu wichtigen Stressfaktoren im Arbeitsalltag. Gleichzeitig zeigt sich häufig eine Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung von Führungskräften und der Wahrnehmung durch ihre Beschäftigten. Bienert plädierte deshalb für mehr Qualifizierung, Coaching und Unterstützung von Führungskräften, um gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen zu stärken.
Welche Möglichkeiten digitale Angebote für Prävention und Unterstützung bieten, erläuterte Romy Kümpfel vom Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health in Leipzig. Unter dem Stichwort E-Mental Health stellte sie internet- und mobilbasierte Interventionen vor – von Onlineprogrammen über Apps bis hin zu Serious Games. Das Angebot wachse stetig, weise jedoch große qualitative Unterschiede auf. Entscheidend seien Evidenzbasierung, gute Gestaltung sowie die digitale Gesundheitskompetenz der Nutzenden.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema Mobbing am Arbeitsplatz. Uwe Boers von der Sozialen Praxis für Beratung, Schulung und Therapie in Hannover berichtete aus seiner langjährigen Beratungspraxis. Anhand eines Fallbeispiels machte er deutlich, dass Mobbing häufig aus ungelösten Konflikten entsteht. Wichtig sei deshalb, zwischen einzelnen Mobbinghandlungen und systematischem Mobbing zu unterscheiden und frühzeitig zu intervenieren – insbesondere auch durch verantwortungsvolle Führung.
Christian Brune vom Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie stellte anschließend Unterstützungsangebote des Integrationsamtes vor. Dazu gehören Förderprogramme zur Schaffung von Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Menschen, Zuschüsse zur behindertengerechten Arbeitsplatzgestaltung sowie Programme wie „Arbeit ohne Hindernisse“. Ziel ist es, Beschäftigte im Arbeitsverhältnis zu halten oder ihnen den Wiedereinstieg zu ermöglichen – auch bei Erkrankungen oder Einschränkungen, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind.
Zum Abschluss widmete sich Nadja Böhm vom Klinikum Wahrendorff dem Thema ADHS am Arbeitsplatz. Sie erläuterte, dass ADHS zwar derzeit große Aufmerksamkeit erfährt und in sozialen Medien häufig diskutiert wird, die Diagnose jedoch ernst zu nehmen ist und sich die diagnostischen Verfahren stetig weiterentwickeln. ADHS kann im Arbeitsalltag Herausforderungen mit sich bringen, gleichzeitig aber auch besondere Stärken hervorrufen. Entscheidend ist, Arbeitsbedingungen so zu wählen und zu gestalten, dass diese Potenziale genutzt werden können.
Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, wie groß das Interesse an Fragen der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt ist. Die rund 90 Teilnehmenden – darunter Mitglieder betrieblicher Interessenvertretungen, medizinisches Fachpersonal, Beauftragte für Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Betroffene und Interessierte – nutzten die Pausen intensiv für Austausch und Vernetzung. Neben den Fachvorträgen erwies sich gerade dieser Netzwerkcharakter erneut als wichtiger Bestandteil der Veranstaltung.
Die Folien zu den Vorträgen werden - soweit durch die Referent*innen freigegeben - zeitnah an dieser Stelle zum Download bereit stehen.
Präsentation Nadja Böhm - ADHS
Präsentation Lukas Kirsch - Depression im Arbeitskontext
Präsentation Axel Kobelt-Pönicke - Arbeit und seelische Gesundheit
Flyer: RV Fit im Präventionszentrum Laatzen
Flyer: RV Fit im ambulanten Präventionszentrum
Flyer: Prävention Online - Internetgestütztes Präventionsangebot