Digitaler Kapitalismus - Mehr Wohlstand oder sozialer Rückschritt?

Bericht zum Workshop V: Qualifizierung in einer digitalisierten Arbeitswelt: Zwischen Chance und Überforderung

06.10.2018 | Am 21. September 2018 fand im Rahmen "Digitaler Kapitalismus - Mehr Wohlstand oder sozialer Rückschritt" eine Workshopphase statt. Referiert hat Dr. Petra Köster, Regionalleiterin der Bildungs- vereinigung ARBEIT UND LEBEN Niedersachsen Süd.

Neben einen dringend benötigten Qualifizierungsbedarf wurde schon in der Vorstellungsrunde des Workshops deutlich, dass mit der Digitalisierung in den Unternehmen eine hohe Verunsicherung für die Beschäftigten einhergeht. Was sind die wichtigen digitalen Lerninhalte für die Zukunft, die Beschäftige in der sich verändernden Arbeitswelt benötigen und welche Lernkompetenz setzt die Digitalisierung voraus, die sich schon heute im Bildungsauftrag widerspiegeln sollte, fragten sich die Teilnehmenden.

In einem Impulsvortrag ging Dr. Petra Köster, Regionalleiterin der Bildungsvereinigung ARBEIT und LEBEN Niedersachsen Süd auf die Orte und Zeiten des Lernens ein. So bietet ein medienkompetenter Kontakt Beschäftigten Vorteile, wird aber im häuslichen, privaten Bereich erworben und kann nicht vorausgesetzt werden. An den eigenen Lernerfahrungen für die Aufnahme neuer Aus- und Fortbildungsangebote setzt der reflexive Kontakt als eine „neue Kulturtechnik“ an, um sich auf die schnellen Veränderungen in der digitalen Arbeitswelt einzustellen.

Mit der Digitalisierung verändert sich Beschäftigung. Der Vormarsch der 3D-Druckfertigung setzt sich fort und ersetzt Nischen in Bereichen, die aufgrund von kleinen Stückzahlen nicht für die Robotik geeignet sind. Produktinformationen werden zunehmend auf Dashboards, Feedbacksystemen oder anderen Informationsgeräten abgelesen. Damit ist ein Wandel der Produktionskultur verbunden hin zu einer Beschäftigung mit Kontroll- und Wartungsaufgaben, die die Beschäftigung in der Fertigung ablöst.

Verschiedene Instrumente eignen sich zum Vermitteln von Lerninhalten in digitalen Arbeitswelt. Darüber hinaus ist das Lernen mittels E-Learning zentral/dezentral möglich und kann individuell oder in Lernsettings ausgestaltet werden. Zur Attraktivität des Lernens tragen spielerische Elemente „Gamification“ bei, bspw. kann das Erlernen von Wissen mit einer Lern-App oder mit einer virtuellen Maschine erfolgen. Lernprozesse werden in Fachforen ausgetauscht. Dabei ist kollaboratives Lernen eng mit E-Learning verschmolzen. Das Lernen findet aber vor allem in der Interaktion zwischen den Lernenden statt.

Neue Anforderungen ergeben sich an eine Lernkultur in der digitalen Arbeitswelt, die u.a. die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen beinhalten sollte. Darüber stellt sich die Frage. wer die Kosten der Qualifizierung trägt und ob eine Entgrenzung des Lernens zu einem Lernen am Arbeitsplatz führt.

 

In der Diskussion moderiert von Klaus Pape, Leiter der Kooperationsstelle Hochschulen & Gewerkschaften Hannover-Hildesheim, wurde das Lernen im digitalen Zeitalter und wie gelernt werden sollfokussiert. Nicht nur die gegenseitige Wissensvermittlung, das kollaborative Lernen und das Lernen in der Belegschaft wurden als zukünftige Lösung angesehen, sondern auch die Durchlässigkeit von Bildung in allen Bereichen. Desgleichen ist die Ausbildung für die „Ausbilder“ zu modifizieren, um diese neuen Wege des Lernens begehen zu können.

Ein Lernen in dieser Ausrichtung kann aber nur auf ein verändertes Beziehungsmanagement basieren, welches nicht nur eine lernförderliche Arbeitsgestaltung für ein fortwährendes Lernen als Bestandteil von Arbeit beinhaltet, sondern gleichfalls Skills wie Vertrauen, Offenheit, Flexibilität integriert. Gerade die Skills werden als Anforderungen für alle Hierarchien die Lernkultur verändern können und sollten unweigerlich gleichfalls in der Führungsebene etabliert sein. Arbeits-, Führungs- und Lernkultur werden zukünftig zusammengedacht werden müssen, um die Veränderungen der Arbeit und die damit erforderliche Qualifizierung im digitalen Zeitalter meistern zu können.

Im Resultat kann so ein Selbstverständnis für eine lernförderliche Arbeitsgestaltung des „miteinander Lernens“ in die Arbeitswelt Einzug gehalten. Fragen zur Ausgestaltung des „miteinander Lernens“ z. B. wie kann eine Freiheit des spielerischen Lernens im Rahmen der betrieblichen Arbeit umgesetzt werden, wurden angesprochen und befinden sich ebenfalls in der aktuellen Forschung.

Hindernisse für das Lernen im digitalen Zeitalter werden in der Technikskepsis gesehen. Veränderungen dieserart können eher zugelassen werden, wenn die zuvor genannten Skills: Offenheit, Vertrauen, Flexibilität in allen Bereichen der Beschäftigtenwelt Einzug gehalten haben. Als Folge können auch Konzepte der Gesellschaft für Informatik zur Anwendung kommen, die bislang nicht zur Geltung kamen. 

 

Von:

Dr. Imke Hennemann-Kreikenbohm, Abteilungsleiterin beim Deutschen Gewerkschaftsbund

Bezirk Niedersachsen - Bremen - Sachsen-Anhalt,

Abteilung: Bildungs- und Hochschulpolitik, Öffentlicher Dienst und Beamtenpolitik

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