Schritt für Schritt ins Paradies

Veranstaltungsbericht: ICH! ICH! ICH – Das Menschenbild in der Ökonomie

14.02.2019 | Mehr als 130 Teilnehmende verfolgten die Darstellung und Diskussion zum Menschenbild in der Ökonomie am 12.02.2019 im Pavillon. Sie verfolgten gespannt den kurzweiligen Ausführungen von Ulrike Herrmann, taz Redakteurin und Buchautorin sowie Dr. Sebastian Thieme, der als Ökonom in Wien tätig ist

Einleitend stellte Dr. Thieme die (negativen) Menschenbilder der ersten Ökonomen wie John Locke (1632 – 1704) und Robert Maltus (1766 – 1834) vor, die mit ihren Stereotypen vor allen den armen Bevölkerungsklassen die Schuld an ihrem Schicksal selber zuschrieben (Faulheit, Lethargie, selbst verschuldete Armut etc.).

Dieses Denken sei auch in der heutigen neoliberalen Ökonomie prägend, dort wird häufig vom Leitbild des ökonomisch rational handelnden Individuums ausgegangen, das egoistisch handelt, arbeitsavers ist und dabei die Kosten/ Nutzen des „Faulseins“ abwägt. Arbeitsprogramme würden als weitgehend nutzlos betrachtet, stattdessen wird ein Lohnabstandsgebot verfochten, damit sich Arbeit wieder lohnt. Ökonomisches Konzept ist das Leitbild einer Arbeits- und Marktgesellschaft, die zu einer absoluten Abhängigkeit von (Arbeits-) Einkommen führt und keine alternativen Einkommen jenseits des Marktes zulässt. Damit bedeutet der Verlust des Arbeitseinkommens abgleiten in die Armut.

Ulrike Herrmann begann ihren Beitrag mit einer Bezugnahme auf Adam Smith (1723 – 1790), der im Gegensatz zu dem oben genannten frühen Ökonomen in seinem berühmten und viel zitierten Buch „Wohlstand der Nationen“ Armut als Gegensatz zum Reichtum analysierte, diese aber nicht den einzelnen Individuen, sondern der gesellschaftlichen Situation bzw. der Entwicklung geschuldet ansah. Er war, noch vor Marx, der erste, der von zwei Klassen in der (früh-) kapitalistischen Gesellschaft sprach, den Eigentümern und den Besitzlosen.

Marx (1818 – 1883) hat dann diesen Ansatz von Smith in seinen ökonomischen Studien, vor allem im ersten Band des „Kapitals“ weiterentwickelt und, bei aller Wertschätzung für die technologischen Erfolge der kapitalistischen Gesellschaft, deren Widersprüchlichkeit und letztlich auch der ökonomischen wie auch sozialen Grenzen analysiert und aufgezeigt. Wobei Herrmann die diskussionswürdige These vertrat, das Marx sich nach den gescheiterten europäischen Revolutionen von 1848 nicht mehr auf das Proletariat, sondern ausschließlich daraufsetzte, das die kapitalistische Wirtschaft an ihren eigenen Widersprüchen zugrunde gehen würde.

Zuletzt ging sie auf John Maynard Keynes (1883- 1946) ein, der die bürgerliche klassische Ökonomie u.a. mit seiner Ungleichgewichtstheorie und mit seiner Geldtheorie versucht hat, nicht nur zu erweitern, sondern auch den gesellschaftlichen Verhältnissen in den 20er und 30er Jahren des 20.Jahrhunderts, die sowohl von Inflation als auch einer Deflation und in deren Folge von einer enormen Arbeitslosigkeit geprägt war, anzupassen. Die klassische Ökonomie konnte hierfür, wie auch auf die Finanzkrise des Jahres 2008, keine Erklärung abgeben und auch die Ursachsen für diese globalen Krisen nicht mal benennen.

Einig waren sich beide Referenten*in, das die gegenwärtige Ökonomie an den (vor allem deutschen) Hochschulen die unterschiedlichen Ansätze und Schulen in der Ökonomie nicht widerspiegeln.

Die große Herausforderung sei heute, die quasi mathematisch-naturwissenschaftliche Ökonomie wieder auf ihre Ursprünge (Adam Smith) zurückzuführen und die Ökonomie als eine sozialwissenschaftliche Disziplin zu verstehen.

 

 

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Reichtumsuhr

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