Reihe Schritt für Schritt ins Paradies

Veranstaltungsbericht: Leben totgesagte länger?

15.01.2019 | Leben totgesagte länger? Mit dieser Frage beschäftigten sich am 20.November 2018 eine weitere Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Schritt für Schritt ins Paradies! Wege aus dem Neoliberalismus“ für die sich über 70 Teilnehmende im Pavillon interessierten.

Dabei ging es um Karl Marx, dessen 200 Geburtstag in diesem Jahr begangen wurde. Diskutanten*innen waren Michael Vester, Prof. em. von der Leibniz Universität, Karoline Kleinschmidt von der IG Metall Bezirksleitung Niedersachsen Sachsen-Anhalt sowie als Moderatoren Janine Kaiser von der Heimvolkshochschule Hustedt und Lars Niggemeyer vom DGB Niedersachsen.

Auf die Eingangsfrage, wie Sie mit Marx in Berührung gekommen sind, antwortete K. Kleinschmidt, dass sie durch die gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit Marx konfrontiert wurde. Besonders das Zitat aus den Feuerbachthesen „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt darauf an, sie zu verändern“ habe sie zur Beschäftigung mit Marx geführt.

M. Vester hatte nach der „Berliner Luftbrücke“, dem Aufstand am 17.Juni 1953 in der damaligen DDR und der Niederschlagung des Ungarnaufstandes 1956, vor, sich mit Marx zu beschäftigen und ihn zu widerlegen. Die intensive Auseinandersetzung mit Marx führte M. Vester letztlich dazu, dass er sich zwar nicht als Marxist, sondern vielmehr als „antiautoritärer Sozialist“ versteht. Für ihn gehört und führen erst die individuellen Freiheiten zur gesellschaftlichen Freiheit im Sozialismus, der nicht hinter den erlangten bürgerlichen Errungenschaften, wie z.B. die Gewaltenteilung, zurückfallen darf.

Diskutiert wurde weiterhin über den Begriff des Klassenkampfes, der nach Kleinschmidt nicht geeignet ist, die Menschen in unserem Lande zu erreichen. Vielmehr müssen sich gerade Gewerkschaften heute eindeutig positionieren und die Demokratie vor ihren (rechten) Feinden zu beschützen. M. Vester wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Klassenkampf drei Ebenen aufweist: 1.das Alltagsleben, 2. die betriebliche Ebene und 3. die politische Ebene. So sei die Konkurrenz der Beschäftigten eben nicht als ein individuelles, sondern als ein politisches Problem anzusehen.

Skeptisch beurteilten beide den Begriff der Arbeiterklasse, dieser seit (zeitbedingt) von Marx enggeführt worden auf die Produktionsarbeiter, heute müsse man alle abhängig Beschäftigten und die „Ausgeschlossenen“ (wie z.B. Arbeitslose, Obdachlose) unter dem Begriff subsumieren. In ihren Augen ist die so definierte Arbeiterbewegung durchaus noch sehr lebendig.

Weitere Themen die in der Diskussion angesprochen wurden waren die Rolle der Genossenschaftsbewegung als alternative Unternehmensform, die Frage nach der betrieblichen Mitbestimmung und einer daraus folgenden möglichen Wirtschaftsdemokratie verstanden als „Demokratisierung aller Lebensbereiche“, die Rolle des Geschlechterverhältnisses in der aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzung (Haupt- und Nebenwiderspruch?) sowie die Bedeutung der gewerkschaftliche Bildungs- und Stadtteilarbeit als ein Teil der politischen Bildungs- und Aufklärungsarbeit.

Als Fazit kann festgehalten werden: Sowohl M. Vester als auch K. Kleinschmidt sehen die marxsche Kapitalismuskritik als hoch aktuell an, die Art seines Denkens in Zusammenhängen, hat bis heute eine große Anzahl von Menschen animiert, über die kapitalistische Gesellschaft nachzudenken und seine Gedanken weiterzuentwickeln und den neuen gesellschaftlichen Realitäten anzupassen.

...

Reichtumsuhr

Pinnwand


  • Kooperationsstellen Niedersachsen und Bremen
  • Bundesarbeitsgemeinschaft der Kooperationsstellen
  • Gegenblende
  • Nachdenkseiten
  • TIB-UB_der_LUH
    Die Sondersammlung zur Gewerkschaftsbewegung mit einem Bestand von etwa 10.000 Bänden umfasst sozialwissenschaftliche Literatur und Gewerkschaftsmaterialien zur Organisationsgeschichte und -politik. Sie wird in Kooperation mit den sozialwissenschaftlichen Instituten der Leibniz Universität Hannover und dem Deutschen Gewerkschaftsbund aufgebaut.

  • Einstellung zur Arbeit
    In 15 Städten weltweit wurden im Rahmen des Projektes Videos mit einer Länge von 1-2 Minuten erstellt. Vorgabe: Die Aufnahmen sollten in einer einzigen Einstellung ohne Schnitte produziert werden. Entstanden sind beeindruckende Kurzportraits zum Thema Arbeit.

  • Logo Niedersachsen packt an